Muss ein fernes Projekt in Neuchâtel bereits konkret erklärt werden?

In der Mikrotechnik, der Uhrenindustrie und der Präzisionsmikroelektronik bedeutet die Ankündigung einer Veränderung nicht, dass ihre Umsetzungsvoraussetzungen bereits diskutiert werden. Die Führungsfrage lautet deshalb: Wie lässt sich ein noch fernes Projekt vorstellen, ohne Zustimmung zu seinem Ziel mit Einigkeit über seine Umsetzung zu verwechseln?
Was die Forschung belegt
Nira Liberman und Yaacov Trope (1998, Journal of Personality and Social Psychology) zeigen in Experimenten, dass Erwünschtheit und Machbarkeit je nach zeitlicher Distanz einer Entscheidung unterschiedlich gewichtet werden. Für die ferne Zukunft gewichten die Teilnehmenden die Erwünschtheit relativ stärker, für die nahe Zukunft die Machbarkeit. Aus der Zustimmung zu einem zeitlich entfernten Ziel lässt sich deshalb nicht dieselbe Bewertung ableiten, sobald die praktischen Voraussetzungen in den Vordergrund treten.
Der Mechanismus: Distanz begünstigt Abstraktion
Yaacov Trope und Nira Liberman (2010, Psychological Review) legen eine theoretische Synthese der Forschung zur psychologischen Distanz vor: Was fern erscheint, wird tendenziell abstrakter repräsentiert. Eine Darstellung mit dem Schwerpunkt «Warum verändern?» entspricht dieser Abstraktionsebene, während «Wie vorgehen?» stärker auf Umsetzungsdetails verweist. Dieser Mechanismus bietet eine mögliche Erklärung für die Diskrepanz zwischen anfänglicher Begeisterung und schwierigeren Gesprächen kurz vor der Einführung.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, Ziele zu Beginn und Einschränkungen erst später zu kommunizieren. Die Arbeiten belegen jedoch nicht, dass diese Abfolge für die Führung eines industriellen Projekts am besten geeignet ist. Ein später Einwand kann auf eine stärkere Beachtung der erforderlichen Mittel hinweisen, statt auf Veränderungswiderstand oder widersprüchliches Verhalten der Teams. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht versprechen können
Die zitierten Experimente sind keine Erprobung betrieblicher Kommunikation in Neuenburger Unternehmen, und die theoretische Synthese liefert keinen optimalen Kommunikationszeitplan. Ebenso wenig belegen sie, dass zusätzliche operative Details in einer Ankündigung die Umsetzung systematisch verbessern. Fachwissen, technische Abhängigkeiten und verfügbare Ressourcen müssen weiterhin gesondert untersucht werden.
Eine überprüfbare Praxis in Neuchâtel
Im SHR-Programm «Communication» lässt sich als mögliche Übung eine künftige Prozess- oder Anlagenänderung in zwei Versionen vorstellen: Die erste erläutert das Ziel, die zweite ergänzt bekannte Umsetzungsvoraussetzungen und noch zu prüfende Bedingungen. In einem Neuenburger Unternehmen der Mikrotechnik, Uhrenindustrie oder Präzisionsmikroelektronik werden Teilnehmende aus vergleichbaren Berufsfeldern zufällig einer der beiden Versionen zugeteilt und anschliessend einzeln nach dem behaltenen Ziel und den aus ihrer Sicht ungeklärten Bedingungen gefragt. Verglichen wird anhand eines vorab festgelegten Bewertungsrasters der Anteil der Antworten, die das Ziel korrekt wiedergeben und mindestens eine tatsächlich erwähnte, ungeklärte Bedingung benennen. Diese Prüfung erfasst, was die Darstellung den Adressierten zugänglich macht, nicht ihre dauerhafte Zustimmung oder den späteren Projekterfolg. Weiterführend: entdecken Sie die Kommunikation-Weiterbildung in Neuenburg im Kanton Neuenburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Kommunikation in Neuenburg



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