IA on the job: Angebote vergleichen, ohne die Kriterien zu verschieben?

Der Vergleich von Lieferanten, Anlagen oder Weiterbildungsangeboten gehört zu den möglichen Anwendungen von KI im Arbeitsalltag. Die Führungsfrage ist konkret: Sollten die Kriterien feststehen, bevor der Assistent Angebote in eine Rangfolge bringt?
Was die Forschung belegt
Christopher K. Hsee (1996, Organizational Behavior and Human Decision Processes) zeigt, dass sich die Präferenz zwischen Optionen umkehren kann, je nachdem, ob diese einzeln oder gemeinsam bewertet werden. Ein Merkmal, das sich isoliert schwer beurteilen lässt, kann mehr Gewicht erhalten, sobald ein direkter Vergleich möglich ist. Auf KI übertragen legt dieser Befund nahe, das Format der Vergleichstabelle als Bestandteil der Entscheidung zu behandeln und nicht bloss als deren Darstellung.
Wenn die Kriterien der Präferenz folgen
Eric Luis Uhlmann und Geoffrey L. Cohen (2005, Psychological Science) zeigen in Experimenten zur Personalauswahl, dass Teilnehmende Leistungskriterien so umdefinieren können, dass eine Person aufgrund ihres Geschlechts bevorzugt wird. In ihrer Versuchsanordnung beseitigt die Festlegung der Kriterien vor Bekanntgabe des Geschlechts der Bewerbenden die beobachtete Diskriminierung. Entscheidend ist hier der Mechanismus: Ein scheinbar vertretbares Kriterium kann nachträglich gewählt werden, um eine Präferenz zu rechtfertigen.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass ein vorab festgelegtes Raster jeden Vergleich objektiv macht. Die Studien erlauben weder diese Verallgemeinerung noch die Aussage, dass eine KI zwangsläufig dieselben Mechanismen reproduziert. Ein Angebot kann eine übersehene Anforderung sichtbar machen; sinnvoll ist dann, die Änderung offenzulegen und sämtliche Angebote anhand des überarbeiteten Rasters neu zu bewerten. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die fertige Tabelle nicht zeigt
Diese Studien untersuchen weder generative Assistenten noch die Beschaffung in Freiburger Unternehmen. Sie beleuchten Urteilsmechanismen, ohne die Wirkung einer KI-generierten Rangfolge in diesem Kontext zu messen. Eine fertige Tabelle kann selbst mit Erläuterungen nicht für sich allein erkennen lassen, ob ein Kriterium vorab festgelegt oder erst nach der Sichtung der Angebote eingeführt wurde.
Eine überprüfbare Praxis in Freiburg
Im Rahmen von «IA on the job» von SHR könnte ein Lebensmittelunternehmen, ein zweisprachiger Industriebetrieb oder ein Team aus dem Freiburger Hochschulumfeld dieselbe Regel beim nächsten Vergleich von Angeboten ohne sensible Inhalte erproben. Bevor das Team dem Assistenten die Angebote übergibt, hält es seine Kriterien, allfällige Gewichtungen sowie die von den Fachverantwortlichen geprüften französischen und deutschen Formulierungen datiert fest. Anschliessend misst es den Anteil der Kriterien, die nach der Sichtung der Angebote ergänzt, gestrichen oder verändert wurden, und dokumentiert jede Änderung samt Begründung. Jede Änderung löst eine erneute Bewertung aller Angebote aus: Diese Dokumentation überprüft die Stabilität des Vergleichsrahmens, ohne zu beweisen, dass der gewählte Lieferant der beste ist. Weiterführend: entdecken Sie die KI im Arbeitsalltag-Weiterbildung in Freiburg im Kanton Freiburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: KI im Arbeitsalltag in Freiburg



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