Projektmanagement: Schwächt es die Glaubwürdigkeit, um Rat zu fragen?

Projektleitende müssen häufig über Fragen entscheiden, die sie nicht vollständig überblicken. Die entscheidende Frage lautet: Schadet es ihrer Glaubwürdigkeit, eine fachkundige Person um Rat zu bitten, oder verhindert diese Befürchtung eine hilfreiche Beratung?
Was die Forschung belegt
Alison Wood Brooks, Francesca Gino und Maurice E. Schweitzer (2015, Management Science) zeigen experimentell, dass die Bitte um Rat die wahrgenommene Kompetenz der fragenden Person erhöhen statt verringern kann. Dieser Effekt zeigt sich insbesondere dann, wenn die Aufgabe schwierig ist und die angefragte Person sich auf dem betreffenden Gebiet für kompetent hält. Es handelt sich somit nicht um einen automatischen Vorteil jeder Frage, sondern um einen Effekt, der mit der Angemessenheit der Anfrage und der beurteilenden Person zusammenhängt.
Zurückhaltung betrifft nicht nur das eigene Ansehen
Francis J. Flynn und Vanessa K. B. Lake (2008, Journal of Personality and Social Psychology) zeigen, dass Menschen die Wahrscheinlichkeit unterschätzen, mit der andere einer direkten Bitte um Hilfe nachkommen. Ihre Forschung verdeutlicht insbesondere, dass die sozialen Kosten einer Absage für die angefragte Person zu wenig berücksichtigt werden. Dieser Mechanismus unterscheidet sich von der Angst, inkompetent zu wirken: Projektverantwortliche können auch deshalb auf eine Anfrage verzichten, weil sie fälschlicherweise mit einer Ablehnung rechnen.

Der voreilige Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass Projektleitende häufiger um Rat fragen sollten. Die Studien belegen jedoch weder, dass die erhaltenen Ratschläge zwangsläufig gut sind, noch, dass mehr Ratschläge zu besseren Projektentscheidungen führen. Eine Anfrage kann die Glaubwürdigkeit gegenüber der angesprochenen Person stärken und ihr gleichzeitig eine Belastung auferlegen, die sie nicht abzulehnen wagt. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Daten nicht gewährleisten
Diese Untersuchungen sind keine Evaluation von Projekten in Banken, Modeunternehmen oder familiengeführten KMU im Tessin. Sie erlauben auch keine Vorhersage darüber, wie wiederholte Anfragen in einer dauerhaften hierarchischen Beziehung wirken. In der Praxis werden leicht drei unterschiedliche Ergebnisse vermischt: eine Antwort erhalten, als kompetent gelten und eine bessere Entscheidung treffen.
Eine überprüfbare Praxis in Lugano
Im SHR-Programm «Projektmanagement» bietet sich in Lugano folgende Übung an: eine reale Entscheidung auswählen, etwa die Auslegung einer Anforderung in einer Bank, die Freigabe einer Modekollektion, eine Logistikentscheidung im Handel oder eine Investition in einem italienischsprachigen Familien-KMU. Vor einer gezielten Bitte um Rat, auf Italienisch, sofern dies die Arbeitssprache ist, hält die projektverantwortliche Person fest, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie eine Antwort erwartet; anschliessend weist sie die angefragte Person ausdrücklich darauf hin, dass diese ablehnen oder einen anderen Zeitpunkt vorschlagen kann. Über einen vorab festgelegten Zeitraum wird der Durchschnitt der geschätzten Wahrscheinlichkeiten mit der tatsächlichen Antwortquote verglichen und separat dokumentiert, ob die jeweilige Antwort die Entscheidung verändert hat. Diese Aufzeichnung prüft eine mögliche Unterschätzung der Verfügbarkeit, ohne damit einen Gewinn an Glaubwürdigkeit oder Entscheidungsqualität nachweisen zu wollen. Weiterführend: entdecken Sie die Projektmanagement-Weiterbildung in Lugano im Kanton Tessin, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Projektmanagement in Lugano



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