Genügt es in Bern, über eine Reorganisation zu informieren, um psychosozialen Risiken vorzubeugen?

Eine Reorganisation verändert die Arbeit bereits, bevor das neue Organigramm gilt: Mitarbeitende müssen handeln, ohne immer zu wissen, was bestehen bleibt. Für das SHR-Programm «Psychosoziale Risiken» lautet die konkrete Führungsfrage: Was kann strukturierte Kommunikation verhindern, und was lässt sie unverändert?
Was die Forschung belegt
David M. Schweiger und Angelo S. DeNisi (1991, Academy of Management Journal) untersuchten in einem längsschnittlichen Feldexperiment eine realitätsnahe Kommunikation mit Mitarbeitenden nach einer Fusion. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieses Vorgehen bestimmte negative Reaktionen im Zusammenhang mit der Fusion, insbesondere Unsicherheit, abschwächen kann. Entscheidend ist somit nicht allein die Häufigkeit der Mitteilungen, sondern auch, ob sie die Situation verständlich machen, ohne ihre Schwierigkeiten zu verschleiern.
Was Information nicht verändert
Mika Kivimäki, Jussi Vahtera, Jaana Pentti und Jane E. Ferrie (2000, BMJ) untersuchten Mechanismen, die einen Personalabbau mit der Gesundheit der verbleibenden Mitarbeitenden verbinden, und berücksichtigten dabei insbesondere krankheitsbedingte Absenzen. Ihre Längsschnittstudie zeigt die Bedeutung veränderter Arbeitsbedingungen für das Verständnis dieses Zusammenhangs. Eine Reorganisation ist demnach nicht bloss eine Frage der Wahrnehmung: Sie kann die zu leistende Arbeit konkret verändern.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, ein gut gestalteter Kommunikationsprozess genüge, um Teams während einer Veränderung zu schützen. Das würde jedoch die Verringerung von Unsicherheit mit der Prävention sämtlicher psychosozialer Belastungen verwechseln. Zu erklären, warum eine Abteilung Stellen verliert, löst weder die Neuverteilung der Aufgaben noch Schwierigkeiten, zu denen eine Führungsentscheidung aussteht. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Die Grenzen der Daten und beruhigender Botschaften
Das Experiment zur Fusion betrifft einen bestimmten organisatorischen Kontext; es garantiert nicht dasselbe Ergebnis bei jeder Veränderung. Die Studie zum Personalabbau ist eine Beobachtungsstudie, und krankheitsbedingte Absenzen allein bilden die psychische Gesundheit nicht ab. In der Praxis kann eine beruhigende Ankündigung ohne überprüfbare Zusage zudem die zentrale Frage offenlassen: Wer beantwortet die ungeklärten Punkte, und bis wann?
Eine überprüfbare Praxis in Bern
In einem Berner Team der Bundesverwaltung, des öffentlichen Gesundheitswesens, der Telekommunikation oder der Präzisionsindustrie bietet ein während vier Wochen geführtes Fragenregister zur Reorganisation eine konkrete Übung für das Programm «Psychosoziale Risiken». Jede Frage erhält einen Status — entschieden, in Prüfung oder unbekannt —, eine für die Antwort verantwortliche Person und einen Termin für die nächste Aktualisierung. Wöchentlich wird geprüft, bei welchem Anteil der fälligen Termine eine Antwort oder eine ausdrückliche Aktualisierung vorliegt; anschliessend werden die weiterhin ungelösten Arbeitsprobleme gesondert betrachtet. Diese Erfassung misst die Verlässlichkeit der Nachverfolgung, nicht eine nachgewiesene Abnahme psychosozialer Risiken. Weiterführend: entdecken Sie die Psychosoziale Risiken-Weiterbildung in Bern im Kanton Bern, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Psychosoziale Risiken in Bern



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