KI einführen: Erkennen Mitarbeitende ihre eigene Arbeit noch?

Die Einführung von KI kann Schreib- oder Gestaltungsarbeit in eine Tätigkeit des Auswählens und Überarbeitens verwandeln. Die konkrete Führungsfrage lautet: Welchen Gestaltungsspielraum brauchen Mitarbeitende, damit sie ihren eigenen Beitrag im Ergebnis noch erkennen können?
Was die Literatur aufzeigt
Jon L. Pierce, Tatiana Kostova und Kurt T. Dirks (2001, Academy of Management Review) entwickeln eine Theorie des psychologischen Eigentums: das Gefühl, dass ein materielles oder immaterielles Objekt «meines» ist, unabhängig von rechtlichen Eigentumsverhältnissen. Ihr Modell beschreibt insbesondere die Kontrolle über das Objekt, dessen eingehende Kenntnis und die persönliche Investition als Wege zu diesem Empfinden. Auf KI übertragen ergibt sich daraus eine Hypothese, kein gesicherter Befund: Einen Vorschlag zu genehmigen, ohne ihn substanziell verändern zu können, reicht möglicherweise nicht aus, um ihn als eigenen zu empfinden.
Automatisierung und eigener Beitrag sind keine einfachen Gegensätze
Sebastian Raisch und Sebastian Krakowski (2021, Academy of Management Review) analysieren die Spannungen zwischen Automatisierung, bei der Maschinen Aufgaben übernehmen, und Augmentierung, bei der Menschen und KI Aufgaben gemeinsam bearbeiten. Ihr theoretischer Beitrag zeigt, weshalb diese Ansätze zusammen und nicht als unabhängige Optionen betrachtet werden sollten. Für Führungskräfte stellt sich damit die Frage, welcher menschliche Beitrag tatsächlich erhalten bleibt, und nicht nur, ob eine abschliessende Freigabe vorgesehen ist.

Der vorschnelle Schluss
Daraus könnte man ableiten, dass jedes KI-Ergebnis zwingend von einem Menschen umgeschrieben werden muss. Diese Arbeiten rechtfertigen eine solche Regel nicht: Eine obligatorische Änderung kann zur Formalität werden, ohne echte Kontrolle über das Ergebnis zu ermöglichen. Entscheidend ist vielmehr, substanzielle Entscheidungen zuzulassen, einschliesslich der Entscheidung, einen als geeignet beurteilten Vorschlag beizubehalten. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was die Befundlage offenlässt
Beide Artikel sind theoretische Beiträge und keine Versuche, die den Einfluss generativer KI auf das psychologische Eigentum an der eigenen Arbeit messen. Sie belegen daher nicht, dass mehr Änderungsfreiheit zwangsläufig die Qualität oder die Akzeptanz verbessert. Das Gefühl eigener Urheberschaft ist zudem von beruflicher Verantwortung zu unterscheiden: Sich in einem Dokument wiederzuerkennen garantiert weder dessen Richtigkeit noch dessen Regelkonformität.
Eine überprüfbare Praxis in Freiburg
Im Programm «Die Einführung von KI im eigenen Team gestalten» von SHR — Swiss Human Resources könnte eine Übung mit Entwürfen ohne sensible Inhalte arbeiten: einem Prozessblatt aus der Lebensmittelwirtschaft, einer zweisprachigen industriellen Arbeitsanweisung oder einer administrativen Unterlage aus dem Freiburger Hochschulumfeld. Für jeden Entwurf werden der ursprüngliche Vorschlag und die Endfassung aufbewahrt; anschliessend benennt die bearbeitende Person eine substanzielle Entscheidung, die sie verändern konnte, und gibt an, ob sie ihren eigenen Beitrag im Ergebnis erkennt. Als Messgrösse dient der Anteil der Entwürfe, bei denen der Arbeitsprozess diesen Entscheidungsspielraum bestätigt und die bearbeitende Person einen eigenen Beitrag erkennt. Diese Erfassung belegt keinen kausalen Effekt, macht aber überprüfbar, ob das Team Ergebnisse tatsächlich gestalten kann oder lediglich eine Freigabetaste bedient. Weiterführend: entdecken Sie die KI-Einführung im Team gestalten-Weiterbildung in Freiburg im Kanton Freiburg, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: KI-Einführung im Team gestalten in Freiburg



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