Beweist ein gutes Ergebnis eine gute Entscheidung in Sion?

In der Wasserkraft, im Gesundheitswesen, im Weinbau und im alpinen Tourismus hängen Ergebnisse sowohl von Entscheidungen als auch von Umständen ausserhalb des Einflussbereichs der Verantwortlichen ab. Die Führungsfrage ist präzise: Wie lässt sich eine Entscheidung beurteilen, ohne die Qualität der Überlegungen mit Glück oder Pech zu verwechseln?
Was die Forschung belegt
Jonathan Baron und John C. Hershey (1988, Journal of Personality and Social Psychology) zeigten experimentell, dass die Kenntnis des Ergebnisses die Qualitätsbewertung einer Entscheidung verändert, selbst wenn die zum Entscheidungszeitpunkt verfügbaren Informationen identisch bleiben. Ein günstiger Ausgang führt zu einer besseren Beurteilung der entscheidenden Person und ihrer Überlegungen. Diese Ergebnisverzerrung legt nahe, zwischen dem damals Begründbaren und dem tatsächlich Eingetretenen zu unterscheiden.
Im Rückblick erscheint die Vergangenheit vorhersehbarer
Baruch Fischhoff (1975, Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance) zeigte, dass die Kenntnis eines Ausgangs rückblickend die Wahrscheinlichkeiten verändert, die Ereignissen zugeschrieben werden. Die Teilnehmenden korrigieren diesen Einfluss nicht ausreichend, wenn sie so urteilen sollen, als würden sie das Ergebnis nicht kennen. Dieser Rückschaufehler erschwert das Lernen aus Erfahrung: Tatsächliche Unsicherheit kann nachträglich als übersehene Offensichtlichkeit erscheinen.

Der voreilige Schluss
Daraus könnte man ableiten, ausschliesslich den Prozess zu beurteilen und Ergebnisse auszublenden. Das ginge zu weit: Ergebnisse bleiben für das Lernen unverzichtbar, doch ein einzelner Ausgang reicht nicht aus, um die Qualität einer Entscheidung festzustellen. Auch ein ausdrücklich festgelegtes Verfahren kann ungeeignet sein; seine Annahmen sind ebenso zu prüfen wie seine Anwendung. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Was diese Experimente nicht zeigen
Diese Experimente belegen Effekte unter kontrollierten Bedingungen; sie messen nicht deren Ausmass in Organisationen in Sion. Ebenso wenig zeigen sie, dass ein Entscheidungsprotokoll allein die operative Leistung verbessert. Ein erst nachträglich verfasster Rückblick bleibt allerdings eine unsichere Grundlage, um den tatsächlichen damaligen Wissensstand des Teams zu rekonstruieren.
Eine überprüfbare Praxis in Sion
Im Rahmen des SHR-Programms zur Entscheidungsfindung kann ein Team in Sion ein vor dem Entscheid datiertes Protokoll erproben, das Optionen, verfügbare Informationen, Unsicherheiten und Begründung festhält – etwa für die Wartung einer Wasserkraftanlage, die Organisation eines Gesundheitsdienstes, eine Massnahme im Weinbau oder die Öffnung einer touristischen Anlage. Bei der Auswertung beurteilen nicht beteiligte Kolleginnen und Kollegen dieses Protokoll zunächst ohne Kenntnis des Ergebnisses anhand eines gemeinsamen Bewertungsrasters und danach erneut mit Kenntnis des Ergebnisses, jedoch ohne weitere neue Informationen. Gemessen wird der Anteil der Fälle, deren Bewertung sich verändert, ergänzt um Richtung und Begründung der Veränderung. Diese Differenz macht sichtbar, wie empfindlich die Bewertung auf das Ergebnis reagiert, ist für sich allein aber weder ein Beweis für eine Verzerrung noch ein Leistungsmass. Weiterführend: entdecken Sie die Entscheidungsfindung-Weiterbildung in Sitten im Kanton Wallis, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Entscheidungsfindung in Sitten



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